Um die Peterskirche
und die Nicolaikirche
Die Georgskapelle und die Tetzelkammer
Über die Zeit, in der die Kirche zu »St Peter und Paul«, unsere Peterskirche, entstand, ist viel nachgedacht und aufgeschrieben worden. Die in unerforschte Abgründe lotenden Sagenerzähler wollen wissen, dass ein Bischof zu Olmütz, der Cyrillus hieß und den Böhmerherzog Borzivoy zum Christentum begehrte, sie errichtet habe. Er habe sie zur Ehre des Apostelfürsten Petrus erbaut und seinem Gehilfen Methodius anempfohlen. Sie ward auf dem Hügel erstellt, wo einst die Burg Drebnow stand. Spätere Forscher aus der Reihe der Geistlichen, die an der Kirche wirkten, fanden, dass die örtliche Lage des Gotteshauses auf einem Felsenhügel im gewissen Sinne den Namen »Peterskirche« rechtfertige, da sie überdies - wie die alten Peterskirchen oft - in unmittelbarer Nähe des fischbaren Flusses (Petrus, Patron der Fischer, Petri Heil!) liege und auf Felsen gebaut ist (Petrus, der Felsenmann). Auch dass sie in der Nähe des 1847 abgebrochenen Neißtores liegt, mag Grund genug gewesen sein, sie Petrus, dem Schlüsselheiligen, zu weihen, wie das im Mittelalter bei Torkirchen und -kapellen üblich war.
Der Sage nach ist die unterirdische Kapelle, die Georgskapelle, der älteste Teil der Kirche, und sie sei »ohne Zweifel ursprünglich Burgkapelle gewesen«, wird wörtlich berichtet.
In der Schriftenreihe »Die schöne deutsche Kirche« belehrt uns dagegen Pfarrer Walter Horst, dass die Georgenkapelle durchaus nicht der älteste Teil der Kirche ist. Nur noch der Name erinnere an den Heiligen Georg, der ja der Drachentöter, der Patron der Krieger und Ritter, war. Diese Kapelle bildete in dem Erweiterungsbau der Peterskirche (1423-1497) das erste bis 1431 fertiggestellte Bauglied. Es war ein genialer Baugedanke, sagt Horst, das abschüssige und verwitterte Gelände unter dem nach Osten zu verlängernden gotischen Chor auszufüllen mit einem stützenden Unterbau in der Gestalt dieser Kapelle. Damit wurde zugleich für die ganze Zeit des Erweiterungsbaus eine Stätte geschaffen, in der der Gottesdienst fortgesetzt werden konnte. Wir wissen weiter, dass um Ostern 1525, am 30. April, unter dem berühmt gewordenen mutigen Pfarrer Franz Rotbart in dieser Kapelle 200 Bürger der Stadt hier zum ersten Male die Feier des Abendmahls in beiderlei Gestalt hielten. Aber wir wollen ja Sagenhaftes hören, das um die Kirche spielt!
Genau über der äußeren Tür der Georgskapelle befindet sich ein Fenster, von dem die Sage berichtet, dass die darin befindlichen topfartigen Scheiben zur Erinnerung an den dort ehemals abgehaltenen Topfmarkt eingesetzt seien.
An der Südseite der Peterskirche führt eine Tür in ein kleines abgesondertes Gemach. Dies ist die »Tetzelkammer«, weil dort der berüchtigte Ablasshändler Tetzel seine »Butterbriefe« feilhielt. An dem gegenüberstehenden Eckhause, Peterstraßen- und Hainwaldecke, schaut der (Steinerne Kopf eines Mannes heraus, der - wie sich das Volk erzählt -mit seinem Schnurr- und Knebelbart Tetzels Abbild sei. Nun hat zwar Tetzel 1508/09 In Görlitz sehr wirksam und erfolgreich gepredigt und aus der reichen Stadt bedeutende Summen durch den Verkauf seiner Ablassbriefe herausgeholt, so dass sein Wirken In Görlitz als Vorbild gepriesen wurde; aber ein alter Görlitzer Chronist behauptet, dass nur alte Weiber feine Ablassbriefe gekauft hätten. »Der Rat der Stadt hatte überdies vorsorglich die Bedingung gestellt, dass die Hälfte der Einnahmen der baulichen Erhaltung der Peterskirche zugute käme. Es wurde aber kein nennenswerter Beitrag zum Kupferdach der Kirche erreicht. Das Steinbild gegenüber der Tetzelkammer aber stellt nicht Tetzel, sondern den Erbauer des Hauses Franz Schneider dar, was die beiden Buchstaben F. S. unter dem Kopf noch heute verraten.
A n m e r k u n g
Die Georgskapelle ist Im Jahre 1950 mit erheblichen Zuschüssen der Sächsischen Landesregierung und unter Beratung des Kunsthistorikers und Landesdenkmalpflegers Dr. Asche gründlich erneuert, oder besser gesagt, in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt und gesäubert worden. Sie bietet jetzt rund 500 Sitzplätze, Ist heizbar und wird im Winter für Gottesdienste benutzt. Am Sonntag, dem 1. Advent - 2. Dezember 1951 -, wurde in der Kapelle (Krypta) die neu gestaltete, kleine, 3,50 Meter breite Orgel eingeweiht. Sie wurde von der Orgelbauanstalt Schuster In Zittau erneuert. Das Äußere gestaltete Architekt Mayer in Görlitz, der sich in den Jahren nach dem zweiten Weltkriege in zahlreichen Kirchenausbauten als sein empfindender und mit behutsamer Hand zugreifender Architekt bewährt hat.
Borzivoy war von 874-879 Herzog von Böhmen. - Cyrill und Methodius waren byzantinische Missionare.
Georgskapelle jetzige Krypta
