Die Erbauung der Jakobskirche
Zu Anfang des 15. Jahrhunderts sollte ein angesehener Bürger zu Görlitz namens J a k o b (andere nennen ihn Frenzel), eines begangenen Verbrechens wegen hingerichtet werden. Um nun bei Gott Vergebung seiner Sünden zu erlangen und seine Seele zu retten, bestimmte er einen großen Teil seines Vermögens zur Erbauung einer Kirche an der Stelle, wo er seinen Geist werde ausgehaucht haben. Damit dies aber nicht auf dem Richtplatze geschehe, weil an diesem entweihten Orte ein Gotteshaus nicht hätte errichtet werden dürfen, so ordnete er an, dass, sobald er enthauptet sein würde, man den Rumpf mit einem Stück Rasen bedecken, von zwei Personen unter die Arme fassen und so weit fortführen lassen sollte, bis er zusammensänke. Wie gesagt, so geschehen. Er ward vor dem Frauentore auf dem dortigen freien Platze enthauptet und lief ohne Kopf noch bis dahin, wo früher die Jakobskirche stand, die aus dem von ihm dazu bestimmten Legate erbaut worden ist. Das übrige Vermögen vermachte seine Witwe dann zur Errichtung eines Hospitals. Ein in der Sakristei der Kirche aufbewahrter Stein ist aus dem Rasenstück, das zur Stillung des Blutes gedient hatte,entstanden, indem der blutgetränkte Rasen nach und nach erhärtete und versteinte. Auf einem alten Altartuche war der von zwei Personen geführte Hingerichtete mit dem Rasen auf dem geköpften Rumpfe in kunstvoller Weberei dargestellt, und an die Familie des Stifters erinnerte ein steinernes Standbild der Witwe mit ihren beiden Kindern auf dem Arme.
Anmerkung:
Die zum Jakobshospital gehörige Jakobskapelle dürfte etwa an der Ecke Schulstraße-Jakobstraße gestanden haben. Ein Teil des über fünf Morgen großen Hospitalgeländes (also ein Viertel größer als der Obermarkt) wurde 1847 als Turnplatz benutzt, Der 1863 nach der Heiligen-Grab-Straße verlegt wurde. Kirche und Hospital gingen ein, als 1863 das Zentralhospital, an der Karl-Liebknecht-Straße bzw. Krölstraße, eingerichtet wurde.
