GOERLITZ-ALBUM

Die Nonnen und die Boggasse in Görlitz und wie ihre Namen entstanden

Am 11. Mai 1427 überfielen die Hussiten das Kloster Marienthal bei Ostritz, plünderten es aus und brannten es nieder. Die meisten Nonnen waren schon nach Görlitz geflohen, wo sie in der Gasse untergebracht wurden, die noch heute Nonnenstraße heißt. Die Äbtissin aber, Anna von Gersdorf, hatte in ihrer Anhänglichkeit an das Kloster und von frommem Gottvertrauen beseelt, das Kloster nicht verlassen wollen. Bei dem Überfall flüchtete sie daher, um der Schande und dem Tode zu entgehen, über die Neiße in den nahen Wald. Sie bemerkte aber bald, dass sie einem verfolgenden Soldaten nicht entgehen konnte. Plötzlich aber wandte sie sich um und kehrte zurück. Ihre hohe strahlende, wunderschöne Gestalt und ihre würdevolle Haltung und das lebendige Gott­vertrauen, das aus ihrer Haltung und ihrem ganzen Wesen sprach, hemmte die Schritte des Verfolgers. Von der plötzlich sie umstrahlenden überirdischen Helligkeit geblendet und im Tiefsten ergriffen, fiel er vor ihr nieder und erblindete. Die Äbtissin aber kam unangefochten nach Görlitz und nahm ebenfalls ihren Wohnsitz in der heutigen Nonnenstraße.

 

Die Boggasse führte durch das alte Dörflein Gorlice (Görlitz), das an dem Bach Lunitz (Lunitza) lag. Hier ging die älteste Straße von der Brücke her, wo ein Einkehrhaus, ein Kretscham, stand, um den Hainwaldberg, später der Berg der Burg Drebnow, endlich Görlitz genannt, die jetzige Hotherstraße herum, die Bogstraße heraus an den Teichen entlang.

Auf der halben Berglehne, vielleicht dort, wo jetzt die Nikolaikirche steht, stand ein wendischer Götze,  B o g  genannt, zur Anbetung. Vielleicht war es der Bielebog, Der weiße oder gute Gott.

 

Anmerkung:

Die Hothergasse war in der Tat eine der ältesten Straßen der neugegründeten Stadt an der Neiße. Hier setzten sich als erste Handwerker die Gerber an. Wahrscheinlich hängt der Name mit dem altniederländischen hoter = Gerber zusammen. Es war also keine Straße der Hutmacher, wie man früher glaubte. Die Gerber sind es vielleicht gewesen, die zuerst in Görlitz Ware erzeugten und sie in die Ferne brachten (Jecht).

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