Der ruhelose Geist in Görlitz
Am linken Ufer der Neiße, wo sie Görlitz von seiner Vorstadt trennt, stehen noch die Ruinen eines Kartells. Dieses Festungswerk, Ochsenbastei genannt (ob wegen seiner Stärke oder der ovalen Gestalt?), diente ehemals zur Verteidigung der Stadt und zum besonderen Schutze der Neißbrücke. Nebenbei wurde es aber auch als Marterkammer benutzt, die bei der hochnotpeinlichen Halsgerichtsordnung des Mittelalters nirgends fehlen durfte. Auch dieses Gebäude ist der Schauplatz gar vieler geheimer ruchloser Schandtaten gewesen und war angefüllt mit all den Marterwerkzeugen jener rohen Zeit.
Unter anderem berichtet die Sage, dass die Seele eines dieser unschuldig Gemarterten ruhelos allnächtlich in der Geisterstunde im Kastell umherwandelte und alle seine Bewohner in Furcht und Grauen versetzte. Viele haben jenen Geist in Gestalt eines Flämmchens zwischen den Zinnen sitzen gesehen.
Anmerkung:
Um 1700 bestanden zwanzig Basteien auf der äußeren und zwölf auf der inneren Mauer der Görlitzer Stadtbefestigung. Dazu die vier Haupttürme: Reichenbacher, Nikolai- und Neißturm und Frauenturm. Nach diesen Tortürmen waren auch die vier Stadtviertel genannt die auf der äußeren Mauer stehenden Bollwerke waren meist rund, die der inneren Mauer viereckig. Der Raum zwischen den doppelten Wehrmauern hieß Parchem oder Zwinger. Ein Teil dieses Zwingers zwischen Nikolaiturm und Peterskirche ist 1953 zum Teil in freiwilliger Aufbauarbeit als Ruheplatz für die Alten der Altstadt mit Bänken und Blumen und Grünflächen neu hergerichtet worden.
