Das Volkslied vom Nachschmied
Am Nikolaifriedhofe
Am Grab das Gitter steht,
An dem ein Ringlein fehlet,
Von dem die Sage geht;
Ee war einmal ein Meister
Zu Görlitz in der Stadt
Am Obermarkt im Winkel,
Der gut geschmiedet hat.
Ein wandernder Geselle,
Mit rotem Haar und lahm,
Sprach vor bei Meister Vollprecht,
Der ihn in Arbeit nahm
Der Bursche konnte schmieden
Für zwei und auch noch mehr,
Als wäre er des Teufels.
Das passt dem Meister sehr.
Allein die guten Tage
Ertrug der Meister schlecht
Was Ihm der Knecht verdiente,
Hat bald der Herr verzecht.
Was Wunder, dass die Seele
Verschrieb mit seinem Blut
Der Schmied dem schwarzen Ritter
Zur Nacht im Übermut.
Ein Gitter galt zu schmieden
Es bis zur Mitternacht,
Der Meister ging zur Schenke;
Weil es sein Bursche macht.
Doch in der zwölften Stunde
Fiel es dem Meister ein,
Das Gitter zu besehen.
Da fehlt ein Ringlein klein.
Schnell wollt` er es vollenden,
Was der Gesell vergaß.
Vergeblich war das Schmieden,
Dae Eisen sprang wie Glas.
Verwettet Leib und Seele
Um eine Kleinigkeit -
Nun muss der Nachtschmied schmieden
In alle Ewigkeit.
Am Nikolaifriedhofe
Noch heut das Gitter steht,
Am Obermarkt vom Nachtschmied
Noch heut die Sage geht.
Max Opitz (+ 1953)
Görlitz Obermarkt Nr. 15
Haus im Winkel
