Das Schwein an der Landeskrone
Ein Mädchen aus Pfaffendorf hütete an der Landeskrone die Kühe eines Bauern. Nun hatte dieser aber auch noch ein Schwein, das er gewöhnlich mit den Kühen zusammen austreiben ließ. Aber das Schwein blieb nicht bei der Herde, sondern es ging seine eigenen Wege, lief in die Büsche und blieb dort so lange, bis die Zeit kam, wo heimgetrieben wurde; da kehrte es von selbst zurück und ging mit der Herde nach Hause. Da nun das Schwein alle Tage so tat, wurde das Mädchen endlich neugierig und wollte wissen, wohin das Schwein laufe. Es ging also das nächste Mal dem Schweine nach in den Busch und kam so weiter und weiter bis an die Landeskrone und auch hier wieder den halben Berg hinan bis in das dickste Gebüsch. Da lief das Tier auf einmal in eine Höhle hinein. Die Magd ging nach und kam so in einen Pferdestall. Da standen viele Rosse gesattelt und gezäumt, und geharnischte Krieger in Waffen saßen dabei. Das Schwein aber war verschwunden. Die Männer fragten die Magd, was sie wolle, waren sehr barsch und unwillig und sagten, sie habe hier nichts zu suchen, ihr Schwein werde sie schon wiederbekommen, sie solle machen, dass sie fortkomme. Da lief das Mädchen erschrocken davon, erzählte alles dem Bauern, und dieser sagte: »Lass gut sein, das Schwein wird schon wiederkommen; aber wenn in der Landeskrone die Reiter wieder rumoren, da wird`s bald losgehen, es wird nicht lange dauern, bis wieder Krieg wird.« So sprach der Bauer, und so ist es auch geschehen.
