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Schlaurother Weg

Freitag, 18. Juni 2010
(Sächsische Zeitung)


Gedenkplatten für sowjetische Kriegstote

Von Ralph Schermann

Wir wollen das Anliegen eines Ortes der Mahnung verdeutlichen und Besucher zum Nachdenken anregen.

Die Gräber des sowjetischen Zivilfriedhofs wurden umgestaltet und bekamen Sinnsprüche. Ein kleiner Obelisk rundet die Anlage ab. Foto: Pawel Sosnowski

Nebeneinander liegen am Schlaurother Weg vier Grabstätten. Gen Süden begrenzt der Friedhof der Christuskirche das Ensemble, gen Norden liegt die deutsche Kriegsgräberstätte. Mittendrin erhebt sich der schmale Obelisk des sowjetischen Ehrenfriedhofes. Rechts daneben aber fristete ein viertes Areal über viele Jahre ein Schattendasein. „Das sah schon so aus, als wüchse hier nur noch Gras“, erinnert Evelin Mühle, die Leiterin der Görlitzer Friedhofsverwaltung. Vielen ist nicht einmal der Name dieses Feldes bekannt. Es ist der sowjetische Zivilfriedhof.

Dringender Handlungsbedarf

Als man vor 65 Jahren in Rauschwalde erste Kriegstote bestatten mussten, war der Zweite Weltkrieg noch gar nicht zu Ende. Als er es war, wurde weiterhin bestattet. Denn aus dem benachbarten Lazarett im St. Carolus-Krankenhaus wurden noch lange Gestorbene gebracht. Und so kam es, dass Soldaten und Zivilisten aus verschiedenen Ländern der Sowjetunion und auch deutsche Soldaten nebeneinander ihre letzte Ruhestätte fanden – insgesamt sind es 498 bekannte und unbekannte Tote.

Höchst unterschiedlich war die Pflege der Kriegsgräber in der DDR-Zeit, und nach 1990 ging es mit ihnen gestalterisch bergab. „Es bestand dringender Handlungsbedarf“, sagt Evelin Mühle. Für die Kirchengemeinde als Träger der Friedhöfe waren Sanierungen aber nicht finanzierbar. „Wenn umfangreiche Arbeiten über die Pflege hinausgehen, dann sind wir als Stadtverwaltung mit gefragt“, bestätigt die Friedhofsleiterin. Letztlich finanzierten Bund und Freistaat die im städtischen Auftrag begonnenen Erhaltungsarbeiten. In den Jahren von 2006 bis 2009 wurden für die schrittweise Instandsetzung reichlich 200000 Euro ausgegeben.

„Besonders wichtig war es uns, künftig über das Schicksal von 67 unbekannten sowjetischen Zivilisten zu informieren“, sagt die Friedhofsleiterin. Es handelt sich um Tote, die auf dem sowjetischen Zivilfriedhof bisher ohne Grabmal oder Nummernstein ruhten. Das Görlitzer Ingenieur- und Planungsbüro Richter & Kaup erhielt den Auftrag zur Neugestaltung des Friedhofes. „Als Ort der Mahnung wollten wir hier aber nicht einfach nur Bänke aufstellen, sondern eine Variante finden, das Anliegen den Besuchern nahezubringen“, sagt Planer Ansgar Kaup. Er beschäftigte sich intensiv mit dem Thema Krieg und Frieden, sammelte Zitate und Sinnsprüche und schlug vor, diese einzuarbeiten. Eine Arbeitsgruppe mit Historikern und Volksbund-Mitgliedern wählte aus, und nach jedem siebenten Grab wurde dann eine Metalltafel mit Sprüchen in deutscher und russischer Sprache aufgestellt. An alle 67 sowjetischen Zivilisten erinnern zudem jetzt Granitplatten mit Nummern.

Weitere Hinweistafeln dienen als Informationsträger. „So kann man heute, sechseinhalb Jahrzehnte nach Kriegsende, erkennen, was war, und mancher Besucher wird vielleicht auch überrascht sein, wenn er am Ende seines Rundganges am Obelisk ankommt“, ist Ansgar Kaup überzeugt

Der evangelische Friedhof in Rauschwalde

historisches Wappen
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