Alfred Fehler
ehemaliger Oberbürgermeister 1945
Alfred Fehler wurde am 26. Juli 1879 in Görlitz geboren. Hier verbrachte er seine Kindheit.
Am 15. Februar 1900 legte er am Gymnasium Augustum seine Reifeprüfung ab. Dem schloss sich ein Studium der Rechts- und
Staatswissenschaften in München, Berlin und Breslau an. Seine erste juristische Prüfung bestand er am 9. Mai 1904 am Oberlandesgericht in Breslau, wo er bis 1909 als Referendar tätig war. Fünf Jahre
später absolvierte er die zweite juristische Prüfung und wurde am 15. Mai 1909 zum Generalassessor ernannt. Ein Jahr später kehrte er in seine Heimatstadt zurück und war hier bis zum 15. April 1914
Assessor am Amtsgericht Görlitz.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde er als Soldat eingezogen. Nach dem Krieg wurde er in Görlitz bis zum besoldeten Stadtrat und Musikbeauftragten berufen. Hier trat er der Görlitzer
Freimaurerloge „Zur gekrönten Schlange“ bei. Am 31. Juli 1939 entfernten ihn die Nazis aus dem Amt und versetzten ihn in den Ruhestand. Drei Tage nach dem Einmarsch der Roten Armee in Görlitz
ernannte der sowjetische Stadtkommandant Oberst Nesterow den „politisch unbelasteten“ Fehler zum Oberbürgermeister. Görlitz hatte die schrecklichste Katastrophe seiner langen, glanzvollen Geschichte
erlebt. Die Stadt war geteilt, deren Infrastruktur zerstört, täglich wurde sie von tausenden verzweifelten Flüchtlingen überflutet. Der Pfarrer Franz Scholz schrieb in dieser Situation folgende
treffenden Worte in sein Görlitzer Tagebuch: „Vae victis! Was kommt, ist der harte Gegenschlag, die Rache für alles, was Hitler den Völkern im Osten durch die SS angetan hat. Jetzt sind wir daran,
die Rechnung zu bezahlen. Grausig ist es nun (für die 20000) in Görlitz leben zu müssen.“
Auf Grund der mangelhaften Ernährung war der Gesundheitszustand der gesamten Bevölkerung ausgesprochen schlecht. Durch die nicht enden wollenden Flüchtlingsmassen wurden Fleckfieber und Typhus
eingeschleppt. Während der Typhus-Epidemie vom Sommer 1945 bis April 1946 gab es 87 Todesfälle. Trotz seines bereits angegriffenen Gesundheitszustandes ging Fehler mit der neu gebildeten
Stadtverwaltung die schier unüberwindlich scheinenden Aufgaben an. Als Stadtrat verwaltete er das Wohnungswesen, das Stadttheater, das Krankenhaus, das Leihamt und das chemische Untersuchungsamt.
Verdient machte er sich insbesondere um das Stadttheater und das Görlitzer Musikleben.
Das Grabmal des zehnten Görlitzer Oberbürgermeisters, Alfred Fehler,
auf dem Alten Städtischen Friedhof wird von einem dreiteiligen Grabstein geziert, auf dem in goldener Inschrift die Namen Fehlers und seiner Angehörigen verzeichnet sind. Die Inschrift wurde 2005 mit
städtischen Mitteln neu vergoldet.
Gemeinsam mit Johanna Dreyer organisierte er das am 20. Mai 1945 im Stadthallengarten
stattfindende erste Kinderfest nach dem Kriegsende. Ab dem 2. Juni 1945 fuhr die Görlitzer Straßenbahn wieder. Am 9. Juni gleichen Jahres eröffnete man die erste Görlitzer Mittelschule für Mädchen
und Knaben. Am 13. August 1945 starb Alfred Fehler im 66. Lebensjahr an Hungertyphus und war damit eines der ersten Opfer dieser Epidemie.
Der Stadtrat E. W. Giese widmete seinem Freund und Mitstreiter Alfred Fehler in seinem Görlitzer Tagebuch (Band 7) folgenden Nachruf: „Unser guter Oberbürgermeister Fehler ist heute Nacht an Typhus gestorben! Dieser gütige, väterlich liebe Mensch, der sich mit seiner schönen menschlichen Wärme in einem letzten Aufschwung für seine Vaterstadt eingesetzt hatte, war als Opfer gefallen. Wir werden seine herzliche, fröhliche und offen freundschaftliche Art noch bitter vermissen.“
Veröffentlicht am 30. Juli 2009 in der Sächsische Zeitung
