Christiane Friederike Wilhelmine Herzlieb
Herzlieb auf dem Friedhof von Görlitz. Selbst Kenner der Goethe-Muse zeigen sich erstaunt, dass die Pflegetochter des Jenenser Verlegers Frommann nicht in Thüringen ihre, letzte Ruhestätte gefunden hat.
Für den Besucher ihres Grabes auf dem Städtischen Friedhof in Görlitz ein kurzes Erinnern:
Christiane Friederike Wilhelmine Herzlieb wurde am 22.05. 1789 in Züllichau / Sulechov (damals Neumark Brandenburg, nördlich von Grünberq/Zielona Gora) als älteste 'Tochter des Superintendenten Chr. F. C. Herzlieb geboren.
Früh Waise geworden und zunächst mit ihren drei Geschwisterneinem Vormund übergeben, wurde Minchen als Pflegetochter des Ehepaars Frommann 1798 mit nach Jena genommen und dort mit deren nachgeborenen Kindern Friedrich Johannes und Alwina in einer herzlichen und kulturell äußerst anregenden Atmosphäre liebevoll erzogen. In diesem gastfreundlichen Haus begegnete sie bedeutenden Persönlichkeiten der Stadt, u.a. den Vertretern der deutschen Frühromantik. Vor allem erfreute Goethe die Familie durch seine Besuche, die nicht nur dem Verleger, sondern auch dessen Familie galten.
1807/08 wurde „Minnie"als die „lieblichste aller jungfräulichen Rosen, mit kindlichen Zügen, mit großen, dunkeln Augen" (Luise Seidler} zum Mittelpunkt eines Sonettwettstreites im geselligen elterlichen Freundeskreis.
Goethes »Sonettkranz" aus dieser Zeit und die poetische Gestalt der Ottilie in seinem Roman „Die Wahlverwandtschaften " (1809) zeugen von den schöpferischen Kräften, die durch die Begegnung des Dichters mit dem jungenMädchen freigesetzt wurden.
Anlässlich der Hochzeit ihrer Schwester reiste Minna im Mai 1808 in ihre Heimat an der Oder. Erst 1812 kehrte sie nach Jena zurück das einmalige Flair ihrer Pflegefamilie dankbar genießend. Hier begegnete sie auch Goethe, dem „lieben alten Herren", wieder. Die noch im selben Jahr erfolgte aussichtsreiche Verlobung mit einem Berliner Gymnasiallehrer wurde noch im Dezember 1812 gelöst.
Auch in den folgenden Jahren konnte sie sich nicht für eine neue Bindung entscheiden. Zu sehr scheinen ihre Ansprüche von dem Freundeskreis ihrer Pflegeeltern geprägt worden zu sein.
Schließlich willigte sie 1821 in eine Heirat mit dem Juristen Dr. Walch (1776-1853) aus Jena ein, doch die Ehe wurde unglücklich. In den folgenden Jahren lebte sie bei ihren Geschwistern, kurzzeitig auch bei ihrem Mann.
Dr. Kahlbaum Allee links Klinik Dr. Kahlbaum
Schwere (Depressionen und Angstzustände brachten sie vorübergehend in verschiedenen Nervenheilanstalten. Als sich nach dem Tod ihrer Schwägerin diese Leiden verstärkten, fand die Vereinsamte ab Juni 1864 Zuflucht in der renommierten Anstalt für gemütskranke des Dr. Reimer (später des Dr. Kahlbaum*) in Görlitz. Am 10.06.1865 verstarb die Appellations-gerichtsrätin Walch geborene Herzlieb und wurde auf dem neuen Friedhof beigesetzt.
Der Görlitzer Theater- und Musikverein ergriff im Juli 2005 anlässlich des 140. Todestages der liebenswerten, weltbekannten Goethe-Muse die Initiative zu einer notwendigen Sanierung ihrer letzten Ruhestätte. Dankenswerterweise gab Frau Dr. Brigitte Pohl diese Erläuterungen.
