GOERLITZ-ALBUM

 

Donnerstag, 3. September 2009
(Sächsische Zeitung)

 

Kaufhaus braucht jede Unterschrift

Sebastian Beutler

Von Beutler.Sebastian@dd-v.de

über die Initiative der Denkmalschützer

Noch als das Hertie-Kaufhaus geöffnet war, wollte der Görlitzer Denkmalpfleger Peter Mitsching eine landesweite Initiative zum Erhalt des Kaufhauses starten. Daraus ist nichts geworden. Nun wollen die ehrenamtlichen Ortskuratoren der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit einer Unterschriftenaktion und weiteren Projekten auf das Haus aufmerksam machen. Die Initiative sollte jede denkbare Unterstützung erhalten. Denn nur öffentlicher Druck kann im Moment Bewegung in eine offensichtlich festgefahrene und ziemlich undurchsichtige Situation bringen. Doch zum Pokern eignet sich das Kaufhaus am Demianiplatz nicht. Es ist für die Stadt viel zu wichtig. Auch für den Handel dieser Stadt. Der merkt jetzt schon, was ihm mit dem Kaufhaus verloren gegangen ist.

 

Donnerstag, 3. September 2009
(Sächsische Zeitung)

 

Denkmalschützer rufen zu Unterschriftenaktion fürs Kaufhaus auf

Von Sebastian Beutler

Alle zwei Monate soll mit Aktionen auf die offene Zukunft des Hauses am Demianiplatz aufmerksam gemacht werden.

Das Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ruft die Görlitzer Bürger dazu auf, sich mit ihrer Unterschrift für eine Zukunft des Kaufhauses am Demianiplatz einzusetzen. In einem Schreiben an die Görlitzer heißt es: „Im Moment ist die Zukunft des Hauses völlig offen. Wir Görlitzer Bürger haben die Sorge, dass das ehemalige Hotel ,Zum Strauss’ damit das gleiche Schicksal erleidet wie die Stadthalle, das Wilhelmtheater, die Gaststätte Posteck und andere Görlitzer Baudenkmäler: ein schleichender Verfall, ein Abriss oder stetig wachsende Resignation.“ Erstunterzeichner des Aufrufs sind Jörg-Peter Thoms und Rainer Michel für das Ortskuratorium, Axel Krüger für das Restaurant „Lucie Schulte“, Joachim Rudolph für den Aktionskreis für Görlitz, die Kunstwissenschaftler und Architekten Andreas Bednarek, Frank-Ernest Nitzsche und Hartmut Olbrich. Alle zwei Monate will die Görlitzer Initiative mit Aktionen das Kaufhaus ins Bewusstsein rücken. „Wir haben schon Ideen“, sagt Rainer Michel, „aber sie müssen noch reifen. Es geht darum zu zeigen, uns Görlitzern ist das Haus wichtig.“ Die Unterschriften werden beim Aktionskreis für Görlitz gesammelt. Wer sich dort meldet, wird über die Aktionen informiert. Es reicht, nebenstehenden Coupon an den Aktionskreis zu schicken. Auf ein Wort

 

 

 

Montag, 19. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)


Görlitzer wünschen Durchhaltevermögen

Von Ines Eifler

An die 500 Görlitzer finden sich am Sonnabendnachmittag vor dem geschlossenen Hertie-Kaufhaus ein. Sie wollen ihre Treue mit einer Menschenkette demonstrieren. Sieben Tänzer ganz in Weiß schwingen bunte Stäbe über ihren Köpfen, bewegen sie sich vom Marienplatz bis zum City-Center und führen so den Zug der Engagierten an.

Vor dem Verfall bewahren

„Wir dürfen nicht zulassen, dass diesem wertvollen Jugendstilkaufhaus das gleiche Schicksal widerfährt wie dem Wilhelmtheater, dem Posteck und der Stadthalle“, ruft Rainer Michel ins Mikrofon. Seine Worte hallen von den leeren Schaufenstern wider und weithin über den Platz. Vor dem schleichenden Verfall müsse das Görlitzer Kaufhaus bewahrt werden. Rainer Michel ist einer der Initiatoren einer Reihe öffentlicher Aktionen, die zeigen sollen, wie sehr die Görlitzer an ihrem seit zwei Monaten geschlossenen Kaufhaus hängen. Der Gastwirt Axel Krüger, der Kunstwissenschaftler Andreas Bednarek, der Architekt Hartmut Olbrich und der Restaurator Frank-Ernest Nitzsche gehören ebenso dazu wie der Aktionskreis für Görlitz und das Ortskuratorium Görlitz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. 10 000 Unterschriften haben sie gesammelt. „Wir wollen der Stachel im Fleisch von Politik und Wirtschaft sein“, verkündet Michel, „den ehemaligen Hertie-Mitarbeitern Mut und Kraft wünschen und der Parfümerie Thiemann Durchhaltevermögen.“

Während er spricht, fassen die vielen, die sich bei Kälte und Nässe in die Innenstadt aufgemacht haben, einander bei den Händen. Die Tänzer der von Gundula Peuthert geleiteten TanzTheaterCompany gelangen zur Frauenkirche, umrunden schließlich das Kaufhaus, und dann steht die Reihe. Dicht an dicht harren die Menschen eine Minute lang Hände haltend aus. Rainer Michel zählt die Sekunden rückwärts. Die Hoffnung auf eine Wiedereröffnung eint Junge und Alte, Christdemokraten und Linke.

Mario Förster, ein 38-jähriger Webdesigner, ist mit Frau, Baby und seiner Mutter da. Er glaubt, dass Aktionen wie die Menschenkette etwas nützen. Das Kaufhaus dürfe nicht „verheizt“ werden wie die Stadthalle, die nun schon so lange leer stehe, sagt er. Försters Mutter geht es auch um die Zukunft der Jüngsten. Sie deutet auf ihren Enkel im Kinderwagen: „Er könnte später vielleicht einen Arbeitsplatz in unserem Kaufhaus haben.“

Nächste Aktion im Dezember

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt der 71-jährige Hans-Dieter Scharon in überzeugtem Ton. Er engagiere sich für die Wiedereröffnung des Kaufhauses, weil das Gebäude dem Wohle aller dienen soll, statt eine Ruine zu werden. Auch bei der nächsten Aktion für das Kaufhaus am 12. Dezember, wenn ein riesiges rotes Herz auf dem Marienplatz entstehen wird, will er wieder mit dabei sein.

Bilder SZ

Montag, 7. Dezember 2009
(Sächsische Zeitung)


Haydn-Sinfonie im leer stehenden Kaufhaus

Nach dem Konzert am Freitag sollen die Görlitzer am Sonnabend ein Herzfür ihr Kaufhaus auf den Marienplatz legen.

Görlitz. Wie es sich anhört, wenn in einem ziemlich leer stehenden Kaufhaus eine Haydn-Sinfonie erklingt, kann man am Freitagabend erleben. Der Verein Meetingpoint Messiaen hat die Sinfonietta Dresden eingeladen, im Görlitzer Kaufhaus Haydns 85. Sinfonie zu spielen. Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr im Kaufhaus. Mitten im Lichthof werden die Besucher sitzen, der Musik lauschen und sicher auch die Augen im Kaufhaus wandern lassen. Das Konzert ist sozusagen der Auftakt für die zweite Aktion jenes losen Bündnisses, das vier Görlitzer Bürger einst ins Leben gerufen und das mittlerweile mehr als 11000 Unterschriften für die Zukunft des Hauses gesammelt hat. Zwar ist die Zukunft genauso ungewiss wie vor zwei Monaten, als sich eine Menschenkette um das Haus wand. Doch dieses Mal hat sich Organisator Reiner Michel vorgenommen, ein rotes Herz auf den Marienplatz legen zu lassen. Start ist um 16 Uhr am Sonnabend. Und Michel hat schon neue Ideen fürs nächste Jahr. Dann sollen die Görlitzer ihre Wünsche für ihr Kaufhaus aufschreiben. Anschließend lässt Michel die Wünsche drucken. Adressat des Büchleins: der britische Eigentümer Dawnay Day. (SZ/sb)

Eine Aktion mit Herz warb am Wochenende für das Görlitzer Jugendstilkaufhaus.Foto: Pawel Sosnowski

Hertie-Herz liegt Dickem Turm zu Füßen

 

Eine Aktion mit Herz warb am Wochenende für das Görlitzer Jugendstilkaufhaus.Foto: Pawel Sosnowski

Von Ines Eifler

Ein Herz aus roten Hertietüten liegt am Sonnabendnachmittag zu Füßen des Dicken Turmes. Zum zweiten Mal sind Leute dem Aufruf der Initiative um Rainer Michel gefolgt, sich auf dem Marienplatz für die Wiederbelebung des Görlitzer Jugendstilkaufhauses einzusetzen. „Es ist ein so anziehender, weit über Görlitz hinaus bekannter Glanzpunkt, der nicht dem Verfall preisgegeben werden darf“, stimmt ein Ehepaar, Mitte 60, Rainer Michels Aufruf zu. „Es muss eine Möglichkeit zur Rettung geben.“

Kritik am jetzigen Besitzer

Rainer Michel verkündet nach dem Einmarsch der Landskron-Herolde, dass die englische Firma Dawnay Day, der das Kaufhaus jetzt gehört, bisher nicht einen Cent ins Gebäude investiert hat. Man warte auf Käufer, statt zu vermieten. Drei Mietinteressenten für das Kaufhaus seien bereits abgewiesen worden, weil sie nicht bereit waren, horrende Summen dafür zu zahlen. Auch das Konzert am Vorabend, das der Meetingpoint Messiaen unter der gläsernen Jugendstilkuppel des Kaufhauses veranstalten wollte, scheiterte daran. Zwar folgten die Besucher dem Schild an der ehemaligen Hertie-Glasfront in die Annenkapelle und erlebten das anspruchsvolle, mit seinen zeitgenössischen Werken für manche Ohren auch anstrengende Konzert der Sinfonietta Dresden. Aber die Enttäuschung war spürbar. „Wir sind vor allem gekommen, um etwas für unser Kaufhaus zu tun“, sagt die 62-jährige Zuhörerin Renate Müller, die sich mit zwei Freundinnen für den Abend und einen guten Zweck verabredet hat. „Hätten wir gewusst, dass es nicht am geplanten Ort stattfindet, wären wir nicht hier.“ Anderen ging es vor allem um das Konzert. Das Kaufhaus sei ja wenigstens in der Nähe, sagte Klaus Navratiel. „Wer weiß, wie die Musik dort geklungen hätte.“ Einige der Zuhörer engagieren sich am nächsten Tag auch auf dem Marienplatz. „Ich sehe es als ein Zeichen“, sagt die 63-jährige Görlitzerin Ruth Reimer, die selbst ein Stück roten Stoffes auf den Boden legt, weil sie sehr an dem Gebäude hängt. „So einen Schatz mitten in der Stadt darf man nicht aufgeben.“

Neue Aktion schon im Blick

Dass Aktionen wie die Menschenkette im Oktober oder nun das Herz tatsächlich etwas bringen, glaubt sie, wie auch viele andere, aber nicht. „So etwas interessiert die englischen Immobilienleute gar nicht.“ Aber man dürfe nicht aufgeben. Es befremde sie, dass sich diesmal nur 150 Leute an der Aktion beteiligen. 500 hatten im Oktober das Kaufhaus umringt.

Rainer Michel plant schon die nächste Aktion. Bis 13. Februar soll jeder an den Aktionskreis für Görlitz einen Postkartengruß mit zwei Statements richten: „Was ich mir zu meinem Kaufhaus wünsche!“ und „Was mich ärgert!“ Wieder am Marienplatz will Michel die Statements vorlesen, bevor sie in Buchform samt 12000 für das Kaufhaus gesammelten Unterschriften an Dawnay Day, die Deutsche Bank und Politiker von Görlitz bis Berlin überreicht werden. Auf ein Wort

Postkartenstatements an: Aktionskreis

für Görlitz, Klosterplatz 10, 02826 Görlitz

Jede Stimme für das Kaufhaus ist richtig

Ralph Schermann

Von schermann.ralph@dd-v.de

 

über Aktionen für den Erhalt des Kaufhauses

Die Bürger haben ja Recht: Was interessieren den Besitzer der Görlitzer Kaufhausimmobilie im fernen Angelsachsen ein paar Stimmen von Einwohnern? Als beherzte Mitmenschen mit Pauken und Protesten einst um das Karl-Marx-Klubhaus zogen, das vorher Wilhelmstheater hieß, interessierte das auch keinen Investor. Heute steht statt des Gründerzeithauses hier das City-Center. Soll die Perle des Jugendstils an der Neiße, das Kaufhaus-Juwel etwa auch so enden? Das darf nicht sein, auch wenn die Kunden zuletzt wahrlich nicht gut auf Karstadt und Hertie zu sprechen waren. Das ausgedünnte Angebot, dass man uns die letzten Jahre unter der Lichtkuppel des Hauses zugemutet hatte, will nun wahrlich keiner wiederhaben. Mag sein, dass eine klassische Verkaufsphilosophie in den Wandelgängen des alten Gemäuers nicht mehr zeitgemäß umgesetzt werden kann. Eine Lösung zum Erhalt aber muss her. Jede Aktion und jede Idee dafür ist zu begrüßen, auch wenn eine Konzertankündigung schon vor der Zustimmung des Hausbesitzers vielleicht alles andere als professionell ist.

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