GOERLITZ-ALBUM

Die Geschichte der Herrnhuter Sterne

Herrnhuter Sterne schmücken in der Advents- und Weihnachtszeit viele Wohnungen, Kirchen, soziale Einrichtungen, aber auch Straßen, Plätze und Schaufenster. Sie weisen auf den Stern von Bethlehem hin, der die Weisen aus dem Morgenland zu Jesus geführt hat.

Der aus Herrnhut stammende Brauch, den Stern im Familienkreis zusammenzubauen und ihn am ersten Sonntag im Advent aufzuhängen, ist weltweit verbreitet und hat eine lange Tradition. Nachfahren der Alten Brüder-Unität aus Mähren siedelten Anfang des 18. Jahrhunderts in die sächsische Oberlausitz um und gründeten den Ort Herrnhut. Dieser wurde Ausgangspunkt einer weltweiten Missionsarbeit.

In Schulen und Internaten der evangelischen Brüderunität wurden Kinder aus Missionsfamilien aufgenommen. Um ihnen besonders in der Adventszeit die Trennung vom Elternhaus zu erleichtern, begann vor ca. 150 Jahren ein Erzieher einen Stern aus Pappe und Papier zu basteln. Bald stellten die Schüler diese Sterne selbst her.

Erst am Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Serienproduktion in einer Manufaktur und führte zur großen Verbreitung dieses Weihnachtsbrauches.

Donnerstag, 19. November 2009
(Sächsische Zeitung)

Herrnhuter Sterne hängen sogar in Mali

Die Herrnhuter Sterne GmbH will 2010 ein neues Besucherzentrum mit Schauwerkstatt eröffnen. Neubau für 2,7 Millionen Euro

Von Nils-Eric Schumann

 

Mitarbeiterin Kathrin Schröter sieht Sternchen und Sterne: in der Schauwerkstatt der Herrnhuter Sterne GmbH. Der Verkaufsschlager wird in fünf Größen von 13 bis 130 Zentimetern und in sieben Farben in Kunststoff und Papier gefertigt. Das mittelständische Unternehmen produziert jährlich rund 240000 solcher Sterne. Foto:_ ddp

Die weihnachtliche Stimmung in der Schauwerkstatt der Herrnhuter Sterne GmbH in der Oberlausitz wird nur durch den Leimgeruch getrübt. Papiersterne in verschiedenen Größen hängen in dem kleinen Haus am Eingang der Manufaktur. Das ganze Jahr über falzen, stanzen, kleben Mitarbeiterinnen mit geübten Handgriffen die Spitzen für die Sterne.

 

Rund 20000 Besucher interessieren sich jährlich für die Geschichte des Herrnhuter Sterns, der längst über die Grenzen Sachsens hinaus bekannt ist. „Selbst in einer Kirche im russischen Wladiwostok am Pazifik sowie in einem Dorf im westafrikanischen Mali hängen Herrnhuter Sterne“, sagt Geschäftsführer Oskar Scholz. Der kleine Handwerksbetrieb mit 62 Beschäftigten gehört zur Evangelischen Brüder-Unität, arbeitet aber wirtschaftlich selbstständig.

Nächstes Jahr will das Unternehmen ein neues Besucherzentrum mit Schauwerkstatt eröffnen. Die bisherige Werkstatt sei für die Gästezahlen zu klein und auch nicht mehr zeitgemäß, sagt Chef Scholz. Da ein Umbau der alten Manufaktur zu aufwendig sei, habe man sich zum Neubau entschlossen. Der Rohbau sei bereits fertig. Das Vorhaben koste gut 2,7 Millionen Euro und werde von der EU sowie dem Land Sachsen gefördert.

Der Original Herrnhuter Stern ist nach Angaben der Manufaktur der älteste deutsche Weihnachtsstern und wurde anfänglich mit Rüböllampen beleuchtet. Schon seit mehr als 160 Jahren werden die Sterne aus Herrnhut in unveränderter Form hergestellt. Jeder Stern besteht seither stets aus 25 Zacken – 17 viereckigen und 8 dreieckigen. Der recht aufwendige Zusammenbau sei in vielen Familien der Region eine jährliche Tradition, sagt Scholz, wo alle Generationen zusammenkämen und vorm Weihnachtsfest innehielten. Bei den Sternen aus Herrnhut dominieren die Farben gelb, rot und weiß/rot. Inzwischen bietet die Manufaktur auch Kunststoffsterne fürs Aufhängen im Freien sowie kleine Sterne für Lichterketten an.

Bückware in der DDR

In der DDR gehörten die Sterne zur Bückware, die nur unter dem Ladentisch verkauft wurde. Ein Großteil der Produktion des VEB Oberlausitzer Stern- und Lampenschirmfabrik ging über den zentralen Außenhandel der DDR in den Export nach Westdeutschland sowie Finnland. Weil die Produktion der Adventssterne offenbar nicht in die Produktionspalette eines sozialistischen Betriebs passte, wurde die zuvor enteignete Sternherstellung nach 18Jahren wieder an die Brüder-Unität zurückgegeben. Allerdings blieben staatliche Planvorgaben erhalten – Material wurde zugeteilt, die Zahl der Mitarbeiter und die Zahl der zu produzierenden Sterne vorgegeben.

Konkurrenten in Sachsen

Inzwischen stellt die Herrnhuter Manufaktur jährlich etwa 240000 Sterne her, sagt Scholz. Nachahmer der geschützten Form aus der Oberlausitz gebe es nicht, wohl aber Konkurrenten. So werden in Sachsen noch in mindestens drei Betrieben im Erzgebirge Adventssterne hergestellt. Neben dem Annaberger Faltstern gibt es noch den Original Hartensteiner und den Original Haßlauer Stern, bestätigt der Tourismusverband Erzgebirge.

Der Hartensteiner Stern besteht aus etwa 154 Einzelteilen bei der Herstellung, auf einen festen Körper müssen die Besitzer allerdings nach dem Kauf nur noch zwölf Spitzen aufstecken. Der Original Hartensteiner Stern wurde 1948 von der Buchbinderei Härtel erstmals auf der Leipziger Messe präsentiert, sagte Beate Heyn. Sie stellt die Sterne im elterlichen Betrieb mit einer Mitarbeiterin zusammen her. Erst 1985 entstand im nur 15 Kilometer entfernten Wilkau-Haßlau der Haßlauer Stern. Elektriker Matthias Wild reagierte seinerzeit auf die große Nachfrage, die damals nicht gedeckt werden konnte. Die Annaberger Faltsterne und die Erzgebirgischen Fenstersterne fertigt die Buchbinderei Kraft in Annaberg-Buchholz – wie alle sächsischen Sterne – auch in Handarbeit. (ddp)

 

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Anleitung zum Selbermachen:


http://www.basteln-mit-elisabeth.de/herrnhuter%20stern/herrnhut.htm