F R I E D H Ö F E der Stadt Görlitz
1. Der Ni k o l a i f r i e d h o f
Der bis 1847 belegte Nikolaifriedhof ist die älteste Begräbnisstätte von Görlitz. Seine Anlage reicht bis in die Frühzeit der Stadt zurück. 1633 erweiterte man den Friedhof im Westen, um hier die Toten einer Pestepedemie zu begraben. Die Grufthäuser bedeutender Görlitzer Familien aus der Zeit der Renaissance und des Barock und die erhaltenen Grabanlagen ergeben eine einzigartige romantische Atmosphäre. Der bedeutende Philosoph Jacob Böhme (1575 - 1624) ruht hier.
2. S t ä d t i s c h e r - F r i e d h o f
1847 wurde der heutige Städtische Friedhof als "Neuer Nicolai-Friedhof unmittelbar an der Mitternachtsseite des jetzigen Nicolai-Kirchhofs" (Friedhofsordnung 1847) angelegt. Die erste Bestattung war die des Oberbürgermeisters Gottlob Demiani, dessen Grab noch heute an der historischen Friedhofsmauer existiert. Nach mehreren Erweiterungen (1858, 1880, 1913, 1945) und einer Teilentwidmung (1983) umfasst der Friedhof heute eine Größe von ca. 28 ha.
Traditionell wurden Bestattungen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts als Erdbegräbnisse vorgenommen. Besonders prunkvolle Familiengräber gestaltete man entlang der Außenmauer und an Hauptwegen. Mit dem "Gesetz über die Feuerbestattung, 1911" gewann die Einäscherung rasant an Bedeutung und beträgt heute etwa 90 %. 1968 wurde mit dem sogenannten "Rosenbeet" erstmals die Möglichkeit anonymer Urnenbeisetzungen geschaffen. Später entwickelte sich daraus das Gemeinschaftsgrab mit Namensnennung, vorrangig unter Einbeziehung der historischen Friedhofsmauer.
Vom Reichtum früherer Görlitzer Bürger zeugen heute noch vielerlei Grabanlagen mit aufwendigen Schmuckelementen an Steinen und Gittern. So werden Grabstellen der Oberbürgermeister erhalten, ebenso wie die Gräber bekannter Personen aus Wirtschaft, Kunst und Kultur. Die wohl Bekannteste unter ihnen ist Minna Herzlieb, eine Goethemuse. Der große Dichter widmete ihr Sonette und machte sie als Ottilie in den "Wahlverwandtschaften" unsterblich.
Eine große Anzahl historisch wertvoller Grabanlagen sowie Grabstätten von stadtgeschichtlich bedeutsamen Personen machen den besonderen Reiz des Städtischen Friedhofes aus.
Eine Zusammenstellung der wichtigsten Grabstätten ist im Faltblatt "Städtischer Friedhof 1847 – 1997" zu finden. Da öffentliche Mittel zur Sanierung der Grabanlagen nicht ausreichen, werden Spendenaktionen zur Rettung wichtiger Einzelgräber ins Leben gerufen.
Die Übersicht des Faltblattes anlässlich des 150 jährigen Bestehens des Friedhofes war eine hervorragende Grundlage für den eigenen Besuch.
Veränderte Bestattungsgewohnheiten und der Rückgang der Einwohnerzahlen der Stadt haben zur Umgestaltung großer Friedhofsteile in parkähnliche Anlagen geführt. In einzelnen stillgelegten Grabfeldern konnte sich eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt entwickeln. Durch gezielte Maßnahmen wird außerdem versucht, die Ansiedlung selten gewordener Arten zu fördern. So wachsen heute wieder einheimische Orchideen, wilde Schlösselblumen, Türkenbundlilien und Salomonsiegel, sind Pirol und Nachtigall, Fledermaus und Waldkauz zu Hause.
Zu den imposantesten Gebäuden des Friedhofes gehören die Alte Feierhalle, eingeweiht 1874, und das Krematorium. Letzteres wurde 1913 als erste Feuerbestattungsanlage der Provinz Schlesien eingeweiht und um einen modernen Anbau im Jahre 2003 erweitert. Während der Altbau durch typische Jugendstilelemente besticht, zeigt sich der Anbau in moderner Eleganz, klaren Formen und mit meisterlicher Raumaufteilung.
Führungen über den Städtischen Friedhof und im Krematorium finden themenorientiert im Laufe des Jahres statt.
Im Stadtgebiet befinden sich auf mehreren Friedhöfen Kriegsgräberanlagen. Sie alle sind Zeugnisse der Geschichte und bekunden in besonderer Weise die Grausamkeiten von Krieg, Verfolgung und Vertreibung. Die mit Namen bekannten Kriegsopfer sind in Listen erfasst, so dass die Suche von Angehörigen auch viele Jahre nach dem Krieg manchmal noch zu beeindruckenden Erlebnissen führt. Auf den Friedhöfen im Stadtgebiet sind Deutsche, Franzosen, Griechen, Italiener, Juden, Polen sowie Opfer aus der damaligen Sowjetunion (alphabetische Reihenfolge) bestattet. Dabei ist die Geschichte der Griechen eine Besondere, denn sie sind nicht an den Folgen kriegerischer Auseinandersetzungen gestorben, sondern hatten während des ersten Weltkrieges in Görlitz Aufnahme gefunden. Viele waren der Spanischen Grippe zum Opfer gefallen.
GOERLITZ-ALBUM

